Biochemischer Vorgang im Körper

Der menschliche Organismus nimmt durchgehend Reize auf und verarbeitet jene. Dies ist ein natürlicher Prozess, welcher nur in bestimmten Situationen der Stressreaktion zugeordnet werden darf.
Ein eintreffender Reiz wird von den Sinneszellen aufgenommen und an den Thalamus (limbisches System) geleitet. Dort entsteht ein ungenaues Bild der Situation. Abhängig davon, ob die Situation als gefährlich eingeschätzt wird oder nicht, erfolgen nun unterschiedliche Reaktionsabläufe.

Keine Gefahrensituation festgestellt:
Wird das vom Thalamus erstellte Bild der Situation als ungefährlich eingeschätzt, so wird die Information an den Cortex (Großhirnrinde) geleitet. Dieser erstellt mit Hilfe von Erinnerungen ähnlicher Situationen ein konkreteres Bild. Wird die Situation erneut als ungefährlich eingestuft, ist dieser Prozess beendet.
Wird jedoch ein mögliches Risiko erkannt, so werden Signale an die Amygdala („Mandelkern“, limbisches System) transferiert. Dort entsteht eine emotionale Reaktion auf die Situation (Wut, Angst o.ä.) und die Stressreaktion wird durch den Nervenbotenstoff Glutamat ausgelöst.
Dieser Stoff bewirkt im Locus coeruleus („Blauer Kern“, limbisches System) eine vermehrte Produktion und Ausschüttung von Noradrenalin (Nervenbotenstoff).
Das Noradrenalin setzt nun die Stressreaktion über die Sympathikus-Nebennierenmark-Achse (SNN-Achse) fort, indem es den Sympathikus dazu anregt, ebenfalls vermehrt Noradrenalin auszuschütten.
Das Noradrenalin stimuliert das Nebennierenmark vermehrt Adrenalin zu produzieren. Die zwei „Stresshormone“ Adrenalin und Noradrenalin aktivieren Kreislauf, Atmung und Energiebereitstellung. Der Körper ist nun für die  Reaktion, „Fight-or-flight“ (Walter Cannon 1915) – „Kämpfen oder Fliehen“, gerüstet. Das bedeutet, dass der Körper versucht mit der Situation umzugehen, den Stress zu bewältigen.
Gelingt dies, stoppt der Locus coeruleus das Glutamat (Botenstoff). Noradrenalin und Adrenalin werden abgebaut, die sympathische Aktivierung gesenkt.

Gelingt der Anpassungsvorgang nicht, so wird die Aktivierung beibehalten, es werden vermehrt Noradrenalin und Adrenalin ausgeschüttet und das Glutamat (Botenstoff des Amygdala) setzt die Stressreaktion über die zweite Achse, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNR-Achse), in Gang.
Das Glutamat verbreitet sich im Gehirn, aktiviert verstärkt den Cortex (Großhirnrinde) und das limbische System.

Dadurch werden die Nervenzellen des Hypothalamus (Regulation vegetativer Funktionen) stimuliert, dies bewirkt eine Freisetzung des Kortikotropin-Releasing-Faktors (CRF) . Der CRF löst wiederum in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) die Aktivierung des adrenokortikotropen Hormons (ACTH) aus.
Das Hormon gelangt über den Kreislauf zur Nebennierenrinde. Die Nebennierenrinde produziert nun verstärkt Cortisol, wodurch im Hypothalamus die CRF- und in der Hypophyse die  ACTH-Freisetzung gehemmt  bzw. vermindert wird.
Dadurch ist die hormonelle Stressreaktion begrenzt und stellt keinen endlosen Prozess dar. Der beschriebene Vorgang ist nicht gesundheitsschädigend, sondern ein überlebenswichtiges Anpassungsverhalten des Organismus.

Gefahrensituation wird bereits im Thalamus erkannt: 
Zeigt das vom Thalamus erstellte, ungenaue Bild der Situation eine eindeutige Gefahr, so werden Signale direkt an die Amygdala („Mandelkern“) weitergeleitet, welche darauffolgend die Stressreaktion (s.o.)initiiert .