Was ist Stress?

Stress hat heute nicht mehr nur eine Bedeutung: Man hat Stress, wenn man unter Zeitdruck steht, „Stress mit den Eltern“, Lernstress oder sogar Urlaubsstress. Gestresst zu sein scheint beinahe als neuer Trend ausgewiesen werden zu können, denn wer nicht unter Stress leide scheine angeblich unausgelastet zu sein.


Der Bereich „Beruf“ belegt Platz 1 der Stressfaktoren. Termindruck, Hektik und 24-stündige  Erreichbarkeit stellen mögliche Begründungen dieses Fakts dar.
Aber wofür genau steht das Wort „Stress“? Woher kommt es und was verbirgt sich hinter dem Gefühl, an die eigenen Grenzen zu stoßen?

Stress kann definiert werden als die physische, psychische und biochemische Reaktion des Körpers auf Anforderungen, welche mit den verfügbaren Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten nicht bewältigt werden können.

Stress impliziert demgemäß physische (d.h. konkrete Symptome können aufgewiesen werden), biochemische (Vorgang im Körper) und psychische (emotionale Reaktionen)Facetten.
Wissenschaftlich fundiert ist, dass bei Stress immer eine biochemische Reaktion stattfindet, also eine Veränderung der hormonellen und neuronalen Vorgänge im Körper. Typische Symptome stellen beispielsweise kalte und feuchte Hände dar. Psychisch und auf der Verhaltensebene differenzieren sich die Reaktionen: Die einen werden von Verzweiflung und Angst dominiert, die anderen reagieren mit Wut und Gereiztheit.
Festzuhalten ist, dass Stress zwar stets multidimensionale Effekte entfesselt, diese jedoch in Art und Ausmaß individuell variieren.

Doch worauf und warum reagiert der Mensch?
Laut Definition reagiert der Mensch mit Stress, wenn er Anforderungen nicht bewältigen kann. Gründe diesbezüglich können fehlende Handlungsstrategien (z.B. aufgrund innovativer Situationen) sowie unzulänglich ausreichende Kräfte bzw. Ressourcen sein, um die notwendige Bewältigungstaktik zu realisieren. Etwaige Defizite enstehen infolge generell insuffizient ausgeprägter Ressourcen oder weil diese bereits für andere Aufgaben beansprucht werden, das heißt: Man ist überfordert.

Die Frage, warum der Mensch in einer bestimmten Weise auf Stress reagiert, kann mit einem Blick auf die entwicklungsgeschichtliche Zeit der „Jäger und Sammler“ beantwortet werden.
In jener Epoche bestand eine Stress auslösende Situation zum Beispiel in der Begegnung mit einem Raubtier. Angemessene Handlungsstrategien implizierten „Kampf oder Flucht“. Dementsprechend mobilisierte der Körper seine vorhandenen Kräfte.
Es lässt sich konstatieren, dass der menschliche Organismus auch heute noch diesen Regeln folgt. Dieser ersichtliche Mangel an Adaption entfacht jedoch Probleme: Die heutigen Stresssituationen werden weder durch Kampf noch durch Flucht bewältigt, sodass daraus ein Überschuss an nicht mobilisierten Kräften resultiert.